
Drei mal „Ziehst du bitte die Schuhe an?“ – und trotzdem passiert nichts.
Viele Kinder „hören nicht“, weil unsere Sätze freundlich klingen, aber unklar sind.
In diesem Artikel zeige ich dir, warum Höflichkeitsfragen Kinder eher verwirren
und wie du mit wenigen klaren Formulierungen sofort mehr Wirkung erreichst.
Plus: ein kleines Experiment für morgen früh.
Inhaltsverzeichnis
Ein kleiner Moment am Morgen – und plötzlich wird er zur Belastungsprobe für alle Beteiligten.
Die typische Morgensituation
„Ziehst du bitte deine Schuhe an?“
Keine Reaktion. Dein Kind spielt versunken mit dem Bagger.
Du wartest kurz, die Uhr im Nacken.
„Schatz, ziehst du jetzt bitte endlich deine Schuhe an?“
Wieder nichts. Dein Puls steigt, die Zeit rennt.
Ein dritter Versuch, diesmal angespannt: „Würdest du jetzt bitte…?!„
In solchen Momenten denken viele Eltern:
Will es mich provozieren? Testet es meine Grenzen? Warum hört es nicht?
Doch die Ursache liegt selten beim Kind.
Sie liegt in unserer Sprache.
Die Stuttgarter Nachrichten haben die Relevanz dieses Themas aufgegriffen und mich
als Expertin für bewusste Kommunikation dazu interviewt.
Den vollständigen Zeitungsartikel findest du hier.
Warum Kinder nicht hören – und was unsere Sprache damit zu tun hat
Die Antwort ist im ersten Moment unbequem, im zweiten jedoch entlastend:
Wir verwirren unsere Kinder mit unseren Formulierungen.
„Ziehst du bitte deine Schuhe an?“ klingt freundlich fragend.
Doch in Wirklichkeit ist es keine Frage. Es ist eine als Höflichkeit verkleidete Aufforderung.
Typische Pseudo-Fragen im Familienalltag:
- Morgens: „Ziehst du bitte deine Schuhe an?“
- Im Auto: „Darf ich dich bitte anschnallen?“
- Beim Essen: „Kommst du bitte zum Tisch?“
- Abends: „Würdest du jetzt bitte Zähne putzen?“
Immer dann, wenn Verbindlichkeit nötig ist, führen solche Sätze zu Konflikten.
Klar sprechen mit Kindern – verständlich statt verwirrend
Klar zu sprechen, bedeutet nicht, streng oder autoritär zu sein.
Es bedeutet, verständlich zu sagen, was wirklich gemeint ist.
Doch dafür ist es hilfreich, erst einmal selbst zu wissen, was man wirklich sagen will.
Mein 3 Schritte System hilft dir, es herauszufinden und zu formulieren.
Mein 3-Schritte-System zu mehr Klarheit:
Schritt 1: Sich selbst bewusst werden
- Habe ich eine echte Frage an mein Kind?
- Möchte ich informieren?
- Will ich eine Aufforderung geben?
Schritt 2: Passende Satzform wählen
Je nachdem, was du in Schritt 1 herausgefunden hast, wählst du hier einen
Fragesatz, Aussagesatz oder Aufforderungssatz.
Schritt 3: Klar formulieren
Die schwierige Vorarbeit ist getan, ab jetzt ist es einfach.
Du musst nur noch wirklich das sagen, was du meinst.
Was wird also aus den oben genannten Sätzen, wenn wir das drei Schritte System anwenden?
Es werden aus Fragesätzen klare Aufforderungen:
Morgens:
❌ „Ziehst du bitte deine Schuhe an?“
✅ „Zieh jetzt bitte deine Schuhe an. Wir fahren in die Kita.“
Im Auto:
❌ „Darf ich dich bitte anschnallen?“
✅ „Ich schnalle dich jetzt an. Wir fahren los.“
Beim Essen:
❌ „Kommst du bitte zum Tisch?“
✅ „Das Essen ist fertig. Komm bitte jetzt zum Tisch.“
Abends:
❌ „Würdest du jetzt bitte Zähne putzen?“
✅ „Zeit zum Zähneputzen. Komm bitte ins Bad.“
Was verändert sich dadurch? Kinder müssen nicht mehr rätseln. Sie wissen, was jetzt dran ist.
Und genau das gibt ihnen Orientierung und Sicherheit.
Warum Klarheit Eltern UND Kinder entlastet
Viele Eltern wünschen sich Harmonie. Sie haben gelernt, dass Aufforderungen streng oder wie Befehle klingen können.
Fragen hingegen wirken weicher. Deshalb mischen die Eltern unterschiedliche Satzformen und hoffen,
dadurch Diskussionen zu entgehen.
Doch genau das führt oft zum Gegenteil:
Kinder reagieren nicht oder beginnen zu verhandeln, weil unklar bleibt, was wirklich erwartet wird.
Was sich verändert, wenn Erwachsene klar sprechen:
✅ Kinder verstehen sofort
Sie müssen nicht mehr rätseln, was gemeint sein könnte oder ob etwas verhandelbar ist.
✅ Alltägliche To Dos gelingen leichter
Wenn die Eltern ihre Anweisungen seltener wiederholen müssen, gibt es automatisch weniger Diskussionen.
Die Schuhe werden einfach angezogen.
✅ Die Beziehung entspannt sich
Eltern werden vom Gegenspieler wieder zum verlässlichen Wegweiser.
Nicht, weil Kinder nun „funktionieren“, sondern weil Klarheit auf beiden Seiten entlastet.
Dein Experiment für morgen früh
Probier‘ es morgen früh aus, wenn die Schuhe wieder im Flur stehen:
Sage klar, was dran ist – ohne Umwege, ohne Frage.
Bewusste Sprache hilft im Familienalltag. Vielleicht schon morgen früh.
In meinem Newsletter greife ich genau solche Alltags-Momente auf – mit Beobachtungen, Beispielen und Praxis-Tipps.
Klar. Alltagsnah und sofort umsetzbar, zeige ich dir, was Sprache verändern kann – nicht nur im Familienalltag.
Wenn Klarheit nicht nur eine Momentaufnahme nach dem Lesen dieses Blogartikels bleiben soll,
sondern Schritt für Schritt zur Haltung in deiner bewussten Sprache werden darf, dann melde dich hier zum Newsletter an.
SAG.ES.EINFACH.
The power is in you!
Wer schreibt hier?

Andrea Gemmer ist Kommunikationscoach für bewusste Sprache.
Sie unterstützt Menschen dabei, sich klar, selbstbewusst und respektvoll auszudrücken – für Erfolg in Beruf, Alltag und Beziehungen.
Ihr Motto: SAG.ES.EINFACH. – The power is in you.